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Präsentierten das Mahnmal v.l.: Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Generalvikar Monsignore Dr. Michael Bredeck, Künstler Christoph Brech, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Reinhold Harnisch (Sprecher Vorstand Betroffenenvertretung), Burkhardt Stutenz, und Michael Heltner (beide Vorstand Betroffenenvertretung). © Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
3.03.2026

Bleibendes Zeichen der Verantwortung

Mahnmal zur sexualisierten Gewalt im Erzbistum Paderborn vorgestellt: Interaktives Kunstwerk mit dem Titel „memory – AUFDECKEN + ERINNERN“ ab sofort in der Brigidenkapelle zugänglich

Paderborn (pdp). Das Mahnmal für Betroffene sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn ist ab sofort öffentlich zugänglich. Unter dem Titel „memory – AUFDECKEN + ERINNERN“ wurde das interaktive Kunstwerk des Münchner Künstlers Christoph Brech am Montag, 2. März 2026, zunächst Betroffenen sowie Pressevertreterinnen und -vertretern vorgestellt. In einer anschließenden öffentlichen Gedenkstunde hatten Interessierte Gelegenheit, das Mahnmal erstmals auf sich wirken zu lassen. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz betonte, der Hohe Dom zu Paderborn sei ein Ort des Glaubens und der Geschichte – ein Ort der Identifikation für die Kirche von Paderborn. Dass das Mahnmal für Betroffene sexualisierter Gewalt hier seinen Platz gefunden habe, sei gut so. Der Erzbischof konkretisierte: „Nicht irgendwo, sondern hier – in der Mitte des Erzbistums.“ Mit dem Mahnmal setzt das Erzbistum Paderborn gemeinsam mit dem Metropolitankapitel und der Betroffenenvertretung ein sichtbares Zeichen der Erinnerung und Mahnung.

Ein Tisch mit 25 quadratischen, drehbaren Feldern: Das Mahnmal, mit dem Titel „memory – AUFDECKEN + ERINNERN“ ist an das gleichnamige Spiel Memory angelehnt. Während die oberen Seiten der Felder identisch aussehen, offenbaren die Rückseiten Texte, Bilder, Fotos und Collagen, die von Betroffenen gestaltet wurden. Wer ein Feld umdreht, bringt individuelle Perspektiven ans Licht. „Diese Felder sind austauschbar – die Erinnerungen, die dargestellt sind, sind daher nicht begrenzt. Sie können jederzeit ergänzt werden. Gerade diese Eigenschaft ist entscheidend, da sich die Aufarbeitung in einem andauernden Prozess befindet“, erläuterte der Künstler Christoph Brech.

Zur Geschichte der Paderborner Erzdiözese gehöre, dass Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene durch Mitarbeitende im kirchlichen Dienst sexualisierte Gewalt erfahren haben, erklärte Erzbischof Dr. Bentz: „Ihnen wurde nicht geglaubt. Verantwortung wurde nicht übernommen, wo sie hätte übernommen werden müssen.“ Diese Leidensgeschichten der betroffenen Menschen gehörten zur Geschichte des Erzbistums „und damit in dieses Gotteshaus als Mitte unserer Ortskirche“, so Dr. Bentz weiter.

Ein Zwischen-Ort

Dompropst Monsignore Joachim Göbel ist überzeugt, dass die Brigidenkapelle für die Errichtung des Mahnmals gut gewählt sei: „Dieser Ort ist so etwas wie ein ‚Zwischen-Ort‘ – zwischen ‚draußen und drinnen‘, zwischen Domplatz und Kirchraum, schon im Dom und doch nicht ganz darin. Vielen Menschen kommen täglich an der Brigidenkapelle vorbei“, erklärte der Dompropst. „Durch das Atrium betreten auch viele Mitglieder unserer Domchöre den Dom, um über die sogenannte ‚Domchortreppe‘ in die Räume zu gelangen, in denen sie sich auf die Gottesdienste vorbereiten“, erklärte Joachim Göbel weiter.

In der Vergangenheit sei der Domchor leider nicht immer für alle ein sicherer und geschützter Raum gewesen. „Umso mehr bemühen sich alle Beteiligten heute durch Regeln, Ordnungen und Schulungen das Miteinander so zu leben, dass es von Nähe und Vertrauen, aber auch von Respekt und professioneller Distanz geprägt ist, betonte der Dompropst. „Damit Regeln, Ordnungen und Schulungen auch zu Haltungen werden, brauchen sie immer neu eine Erinnerung. Eine wichtige Aufgabe, die das Mahnmal in der Brigidenkapelle zukünftig auch übernehmen wird“, ist sich Msgr. Joachim Göbel sicher.

Vom Dunklen ins Licht

Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung beschrieb den Entstehungsprozess des Mahnmals als von Beginn an gut erlebte Kooperation. Dies habe schon begonnen mit dem Hinweisschild an den Grablegen der früheren Erzbischöfe Jaeger und Degenhardt in der Krypta. „Das hat uns als Betroffenenvertretung ermutigt, den Wunsch aller Betroffenen nach einem Mahnmal zu äußern, das Licht ins Dunkel bringt“, sagte Reinhold Harnisch. Bei der Realisierung des jetzigen Mahnmals sei „Hand in Hand gearbeitet worden, jeder war für jeden da“, lobte Harnisch.

Vom ersten Tag hohe Priorität

Dr. Udo Markus Bentz ist seit 2024 Erzbischof von Paderborn. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt habe für ihn von Beginn an hohe Priorität gehabt: „Ich wollte und musste das Bistum möglichst umfassend kennenlernen – besonders auch in dieser Hinsicht“, erinnerte sich der Paderborner Erzbischof. Dass es neben vielen notwendigen und guten Schritten der Aufarbeitung auch damals schon konkrete Überlegungen für ein Denk- und Mahnmal gegeben habe, habe ihn dankbar gestimmt. Erzbischof Dr. Bentz betonte weiter: „Das Mahnmal erinnert uns als bleibendes Zeichen daran, dass Verantwortung nicht endet, sondern weitergegeben wird. Sie liegt jetzt bei uns – und wir haben sie wahrzunehmen und auszugestalten.“ Das Mahnmal sei ein Meilenstein, aber kein Schlusspunkt: „Es ist ein bleibender Auftrag an uns – als Bistumsleitung, als katholische Kirche und an jede und jeden persönlich – auch an mich“, so Dr. Bentz.

Wesentlich für die Umsetzung des Mahnmals sei der gemeinsame Prozess gewesen, berichtete Generalvikar Dr. Michael Bredeck im Rahmen des Pressegesprächs: „Die heutige Präsentation des Mahnmals und Gedenkortes für Betroffene sexuellen und geistlichen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn war nur möglich durch einen gemeinsamen Weg, den Verantwortliche des Erzbistums Paderborn, des Metropolitankapitels und der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn gegangen sind“, erinnerte sich der Generalvikar mit Blick auf den anderthalbjährigen Prozess. „Aufdecken und erinnern – das ist für mich nicht nur der Titel des Mahnmals, sondern auch darüber hinaus für uns alle ein stetiger Reminder, die Erinnerung an vergangenes Leid wachzuhalten, um zukünftiges Leid zu verhindern“, so der Generalvikar abschließend.