»Kirchen und Kino. Der Filmtipp« präsentiert von Oktober 2026 bis Mai 2027 acht herausragende Filme
Freude und Hoffnung, Trauer und Angst – Filme über Krisen und Hoffnungszeichen
Viele Filme der neuen Saison erzählen von Menschen, die sich mit Trauer und Angst auseinandersetzen müssen. Sei es durch Gewalterfahrungen, sei es durch den Verlust von Angehörigen. Doch zugleich eröffnen sich für sie auch Perspektiven der Freude und Hoffnung.
Die Themen der Filme reichen vom Umgang mit Krankheit und Tod (Dann passiert das Leben; Der Tod ist ein Arschloch; Vier minus Drei) und Missbrauch und Gewalt (Karla; In die Sonne schauen) bis hin zu Fragen der Erinnerungskultur im seit nunmehr über dreißig Jahre wieder vereinten Deutschland (Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße). Dass ungeachtet aller persönlichen und gesellschaftlichen Krisen eine Feier des Lebens möglich ist, zeigt der hoffnungsvoll stimmende Schlussfilm The Life of Chuck.
Zum Auftakt steht das mit dem Oscar für den besten internationalen Spielfilm ausgezeichnete Familiendrama Sentimental Value (Norwegen/Dänemark 2025) von Joachim Trier auf dem Programm.
Die Programmauswahl lag bei einer Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der kirchlichen Bildungs- und Medienarbeit sowie der beteiligten Kinos. Zur Wahl standen 26 Filme, die im vergangenen Kinojahr von der evangelischen und katholischen Filmkritik in Deutschland als „Film des Monats“ oder als „Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ ausgezeichnet wurden. Zu sehen gibt es überzeugende Filme, die unabhängig von ihrer jeweiligen geistigen Beheimatung die Sehnsucht nach dem Anderen, nach einem „Mehr des Lebens“ aufrechterhalten.
Wir wünschen tiefgründige Kinoerlebnisse!
Infos kurz & knapp:
Auf dieser Seite finden Sie alle Filme der aktuellen Staffel. Sie werden jeweils dienstags ab 19 Uhr im CINEPLEX BRILON (Keffelker Straße 62, 59929) gezeigt. Weitere Vorstellungen für Gruppen/ Schulen können in Absprache mit dem Kino gebucht werden.
Cineplex Brilon, Telefon: 02961 7869494, E-Mail: brilon@cineplex.de, www.cineplex.de/brilon
Eintritt: ab 8 Euro, für Schüler und Studenten ab 7 Euro. Überlängenaufschlag ab 121 Minuten (siehe Eintrittspreise unter www.cineplex.de/brilon/)
Weitere Infos gibt es bei Pfarrer Jochen Andreas, E-Mail: pfarrer.andreas@pastoralverbund-brilon.de und bei Pfarrer Rainer Müller, E-Mail: rainermueller@posteo.de.
Alle Infos zu den Filmen dieser Staffel finden Sie unter kirchen-und-kino.de.
Welche Filme werden wann gezeigt?
Dienstag, 6.10.2026
SENTIMENTAL VALUE
Familiendrama
Norwegen/Dänemark 2025
Regie: Joachim Trier
Mit Renate Reinsve, Stellan Skarsgård, Elle Fanning u.a.
Länge: 133 Minuten
Der Film erzählt von zwei Schwestern, die nach dem Tod ihrer Mutter erneut mit ihrem entfremdeten Vater konfrontiert werden – einem gefeierten Regisseur, der seine Familie stets der Kunst unterordnete. Als er seine Tochter Nora für die Hauptrolle eines autobiografischen Films gewinnen will, brechen alte Verletzungen und verdrängte Erinnerungen auf. Der Film verbindet Familiendrama, Kunstreflexion und melancholische Tragikomödie zu einer emotional komplexen Erzählung. Dabei werden Themen wie Trauer, Erinnerung, Manipulation und die Sehnsucht nach Nähe verhandelt. Mit ruhigen Kamerabewegungen, verschachtelten Erzählebenen und der symbolisch aufgeladenen Familienvilla im Zentrum entsteht eine intime, bittersüße Atmosphäre zwischen Schmerz, Humor und versöhnlicher Melancholie.
Sehenswert ab 14
Kinotipp der Katholischen Filmkritik (Dezember 2025)
Dienstag, 3.11.2026
KARLA
Drama
Deutschland 2025
Regie: Christina Tournatzés
Mit Elise Krieps, Rainer Bock, Imogen Kogge, Katharina Schüttler u.a.
Länge: 104 Minuten
1962 läuft ein zwölfjähriges Mädchen seiner Familie davon und zeigt seinen Vater wegen sexuellen Missbrauchs an. Ein älterer Richter nimmt sich des Kindes an und bereitet es auf den Prozess vor, auch wenn er weiß, dass ihre Chancen für eine Verurteilung schlecht stehen. Das Mädchen scheut vor Details der Missbrauchstaten zurück, doch in intensiven Sitzungen finden die beiden nach und nach Wege, die Anklage zu formulieren.
Das an einen realen Fall angelehnte Drama bleibt bis auf wenige Szenen bei der jungen Hauptfigur und verzichtet auf jeden Sensationalismus. Der sich aneinander herantastende Umgang zwischen dem Kind und dem älteren Mann prägt auch die Inszenierung des Films, der sensibel vorführt, wie aus wachsendem Respekt und Mitgefühl eine Nähe und gegenseitiges Vertrauen entstehen.
Sehenswert ab 16
Dienstag, 1.12.2026
DANN PASSIERT DAS LEBEN
Drama
Deutschland 2025
Regie: Neele Leana Vollmar
Mit Anke Engelke, Ulrich Tukur, Lukas Rüppel u.a.
Länge: 123 Minuten
Routiniert beginnt Rita ihren Tag. Vrrrm – Rollläden hoch. Kaffee aus der Warmhaltekanne. Der Bungalow im Grünen ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Das Bad mit den Siebziger-Jahre-Fliesen im undefinierbaren Braungrünton müsste dringend mal renoviert werden. Ein Problem – Rita hat es nicht so mit Veränderungen. Sie arbeitet für einen Pflegedienst und hält sich mit Schwimmen fit. Ihr Mann Hans, Schulleiter kurz vor der Pensionierung, hat sich damit abgefunden, dass sie im Haushalt den Takt angibt. Der Sohn der beiden ist schon lange ausgezogen und steht als Single stabil im Leben – glauben die Eltern zumindest. Manchmal gehen sie Schnitzel essen in der Kleinstadt, auch im Garten ist was zu tun. Viel kann da, wie es scheint, nicht mehr kommen in der Beziehung des Paars. Aber plötzlich geraten die Dinge in Bewegung.
Sehenswert ab 16
Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit (November 2025)
Dienstag, 5.1.2027
DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE
Komödie
Deutschland 2025
Regie: Wolfgang Becker
Mit Charly Hübner, Christiane Paul, Leon Ullrich, Leonie Benesch u.a.
Länge: 112 Minuten
Wolfgang Beckers Komödie erzählt die Geschichte eines Mannes, der ungewollt zum Helden wird. „Aber ist es nicht so, dass wir uns meistens das Leben so erzählen, wie wir es gerne hätten?“, fragt Micha Hartung (Charly Hübner). „Und manchmal ist sogar in einer Geschichte ein bisschen mehr Wahrheit drin als in der Wirklichkeit.“ Michas Videothek steht am Rande des Bankrotts, als kurz vor dem 30. Jahrestag der deutschen Einheit der Redakteur einer Wochenzeitschrift bei ihm auftaucht. Er hat Michas Stasiakte gelesen und sieht in ihm einen Helden. Micha war früher im Stellwerk der Ostberliner Verkehrsbetriebe beschäftigt und hat 1984 durch Verstellen einer Weiche 127 Passagieren eines S-Bahn-Zuges zur Flucht in den Westen verholfen. Der Journalist bringt die Geschichte an die Öffentlichkeit und macht Micha berühmt. Sogar im Bundestag soll Micha zum Tag der Deutschen Einheit sprechen. Darüber grämt sich der ehemalige Bürgerrechtler (Thorsten Merten), denn eigentlich hätte er die Rede im Bundestag halten sollen. Derweil bahnt sich zwischen Micha und einer Juristin (Christiane Paul), die damals unter den Passagieren der nach Westberlin geleiteten S-Bahn war, eine zarte Liebesgeschichte an.
Sehenswert ab 12
Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit (Dezember 2025)
Dienstag, 2.2.2027
DER TOD IST EIN ARSCHLOCH
Dokumentarfilm
Deutschland 2025
Regie: Michael Schwarz
Länge: 82 Minuten
Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Arbeit des Bestatters Eric Wrede, der das Tabuthema Tod mit Empathie und Humor von seiner Schwere befreit und mit Kolumnen, Büchern und Podcasts zu „Deutschlands bekanntestem Bestatter“ wurde. Begleitet von melancholischen Stadttableaus, zeigt der Film in der Beobachtung von Wrede und seinem Team, wie man den Abschied menschlicher gestalten kann. Eine ruhige, respektvolle Reflexion über Sterben, Trauer und die Würde der Toten.
Sehenswert ab 14
Dienstag, 2.3.2027
IN DIE SONNE SCHAUEN
Drama
Deutschland 2024
Regie: Mascha Schilinski
Mit Lena Urzendowsky, Luise Heyer, Susanne Wuest u.a.
Länge: 154 Minuten
Ein abgeschiedener Vierseitenhof im Norden von Sachsen-Anhalt wird von den 1910er- bis zu den 2020er-Jahren immer wieder zum Ort, an dem Mädchen ihre Kindheit und Jugend erleben. Familiär lose verbunden, aber ohne Wissen um die Vorgängerinnen, sind vier Biografien und Schicksale durch zahlreiche gemeinsame Berührungspunkte miteinander verwoben. In scheinbar alltäglichen, geradezu rhapsodischen Momentaufnahmen und Impressionen bringt das virtuos montierte Drama die Zeitebenen in einen filmischen Dialog. Ästhetisch und narrativ meisterlich durchkomponiert, ist der Film von hoher Empathie für die subjektive Wahrnehmung der Hauptfiguren geprägt und entfaltet in seiner bestechenden assoziativen Form außerordentliche Anziehungskraft.
Zehnfacher Gewinner beim deutschen Filmpreis.
Sehenswert ab 16
Kinotipp der Katholischen Filmkritik (August 2025)
Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit (August 2025)
Dienstag, 6.4.2027
VIER MINUS DREI
Drama
Österreich/Deutschland 2026
Regie: Adrian Goiginger
Mit Valerie Pachner, Robert Stadlober, Jonas Recklies, Victoria Wild u.a.
Länge: 121 Minuten
Eine Clownin heitert in Kliniken Kinder auf, während ihr Mann als klassischer August auftritt. Eines Tages verunglücken er und die beiden gemeinsamen Kinder tödlich. Für die trauernde Frau beginnt eine schwierige Zeit, die berufliche Rückschläge beinhaltet, aber auch eine vorsichtige neue Freundschaft mit einem Schauspieler. Das auf einer wahren Geschichte beruhende Drama vollzieht die Trauerarbeit der Hauptfigur respektvoll nach, ohne ihren Schmerz zu vereinfachen. Rückblenden zeigen auch das frühere Familienleben mit all seinen Spannungen und verhindern so jede Verklärung. Abgesehen von wenigen vordergründigen Momenten überzeugt der Film durch sorgsame Umsetzung und eine ausgezeichnete Hauptdarstellerin.
Sehenswert ab 14
Kinotipp der Katholischen Filmkritik (April 2026)
Dienstag, 4.5.2027
THE LIFE OF CHUCK
Drama
USA 2024
Regie: Mike Flanagan
Mit Tom Hiddleston, Chiwetel Ejiofor, Karen Gillan u.a.
Länge: 111 Minuten
Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King, die als ein Triptychon über die Schönheit und Tragik des menschlichen Daseins entfaltet wird. Der Film erzählt in drei Kapiteln und umgekehrter Reihenfolge vom Sterben und Leben des titelgebenden Buchhalters, wobei es zunächst in apokalyptisch überhöhter Form um den Tod geht. Von da aus wird in der Biografie des Protagonisten zurückgeblättert, der leidenschaftlich gerne tanzt und ein erfülltes Leben führt, obwohl schon in der Kindheit Schmerz, Trauer und Unsicherheit eine Rolle spielen. Der Gebrauch von Voice-over wirkt etwas unbeholfen und auch inszenatorisch bleibt manches blass. Dennoch überzeugt der Film durch die Darsteller und die Qualität des Stoffs als Reflexion übers Leben mit dem Wissen um die Vergänglichkeit.
Sehenswert ab 14