Mit der Faust in die Welt schlagen – Kirchen und Kino. Der Filmtipp
Mit der Faust in die Welt schlagen – Dienstag, 7.4.2026 ab 19 Uhr im Cineplex Brilon
Im Rahmen des Projekts „Kirchen und Kino. Der Filmtipp“ wird am Dienstag, 7.4.2026 ab 19 Uhr das packende Gesellschaftsporträt „Mit der Faust in die Welt schlagen“ im Cineplex Brilon präsentiert.
Der Film erzählt die Geschichte der Brüder Philipp und Tobias (Tobi) Zschornack, die um die Jahrtausendwende in der ostdeutschen Provinz Sachsens nahe Hoyerswerda aufwachsen. Ihre Kindheit ist geprägt von Perspektivlosigkeit, sozialem Stillstand und dem schleichenden Zerfall der eigenen Familie.
Der erste Teil der Handlung setzt im Jahr 2006 ein und zeigt den Versuch der Familie, sich mit dem Bau eines Eigenheims eine Zukunft aufzubauen. Das Haus bleibt jedoch eine dauerhafte Baustelle: Strom und warmes Wasser funktionieren nur eingeschränkt, die Toilette steht im Garten.
Der unfertige Bau wird zum Sinnbild für die instabile familiäre und gesellschaftliche Situation. Vater Stefan, ein umgeschulter Elektriker, verliert seine Arbeit, verfällt dem Alkohol und beginnt eine Affäre mit der Nachbarin. Mutter Sabine versucht, durch Nachtschichten im Krankenhaus den Lebensunterhalt zu sichern, ist jedoch zunehmend überfordert mit der familiären Situation.
In dieser Atmosphäre emotionaler Kälte und sprachloser Enge sind die Brüder weitgehend auf sich allein gestellt. Die weite Landschaft mit Wäldern und Steinbrüchen dient ihnen als Rückzugsort und Gegenwelt zum belastenden Familienalltag.
Auf der Suche nach Orientierung schließt sich der Bruder Philipp einer Gruppe älterer Jugendlicher an. Dort erfährt er erstmals Anerkennung und Zugehörigkeit, auch wenn dies bedeutet, sich schrittweise der rechtsextremen Szene anzunähern. Der jüngere Tobi hingegen versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. Er versteckt Bewerbungsablehnungen des Vaters und arbeitet am Haus, in der Hoffnung, den familiären Zerfall aufhalten zu können. Schließlich muss er erkennen, dass seine Bemühungen wirkungslos bleiben.
Zwischendrin entwickelt er eine zarte erste Liebe mit Elisabeth, deren Vater Arzt ist. „Aber er ist Arzt.“ „Warum bist du dann nicht auf dem Gymnasium?“ Es ist klar, dass das Kind eines Arztes einen anderen Bildungsweg einschlägt. Sie wird später zum Gymnasium gehen und damit eine andere Zukunftsperspektive haben.
Der zweite Teil des Films ist ein Epilog im Jahr 2015. Die Eltern haben sich getrennt. Philipp, nun erwachsen, hat sich von der rechten Szene distanziert und lebt zurückgezogen in der Stadt. Tobias hingegen ist vollständig radikalisiert. Als bekannt wird, dass die alte Dorfschule als Flüchtlingsheim genutzt werden soll, eskaliert die Situation. Für Tobi und seine Gruppe wird das Projekt zum Ventil ihrer angestauten Wut.
Der Film gipfelt in einem Brandanschlag auf die Schule. Die letzte Einstellung zeigt Tobias auf einem Riesenrad, während im Hintergrund die Flammen lodern, und lässt die Frage nach den Ursachen und der Unumkehrbarkeit dieser Entwicklung offen.
Sehenswert ab 14
Kinotipp der Katholischen Filmkritik (04 2025)
Deutschland 2024; Regie: Constanze Klaue; Länge: 111 Minuten
Alle Informationen zu der Filmreihe „Kirchen und Kino“ von Oktober 2025 bis Mai 2026 finden Sie hier.